Ein Ort mit Seele
Manche Orte haben einfach eine besondere Energie. Das Gebäude an der Langenbergerstraße 101 ist so ein Ort. Wo heute gefeiert wird, wurde schon vor über 150 Jahren das Glas erhoben. Eine Reise von der Bergarbeiterkneipe zur Kult-Location.





Die frühen Jahre: Endstation der Eisenbahn und Bergarbeiter-Treff (ab ca. 1850)
Genau lässt sich das Baujahr heute nicht mehr datieren, doch die Geschichte des Hauses beginnt wahrscheinlich um 1850. Damals bildete es den Endpunkt der Eisenbahnlinie der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn-Gesellschaft, die ab 1847 Wuppertal mit Überruhr verband. Nachdem das Gebäude vielleicht anfangs kurz als Lager für die Bahn diente, etablierte es sich schnell als zünftige Bergarbeiterkneipe. Spätestens seit 1863 ist das Haus fest auf alten Karten verzeichnet.
Der erste namentlich bekannte Wirt war Wilhelm Gisbert Kopp (geboren 1849 in Steele). Als er im Juli 1880 Anna Maria Hicking heiratete, war als sein Stand bereits „Wirt“ unter dem Wohnort „Überruhr (Hinsel)“ amtlich vermerkt.
Wer heute im La CAVE feiert, ahnt kaum, wie anders das Gebäude damals aufgeteilt war: Die ursprüngliche Kneipe umfasste nur den heutigen Bar-Bereich. Alles war noch brav mit Türen voneinander getrennt. Das heutige Bistro diente wohl als Lager und eventuell als Küche, während der Raum, der heute die Tanzfläche ist, ein Fremdenzimmer war. Toiletten im heutigen Sinne gab es nicht – stattdessen nutzte man einen Abort im Bereich der jetzigen Lounge. Wilhelm Gisbert Kopp führte die Wirtschaft bis zu seinem Tod im September 1917.
Die Ära Küpper: Der "Felsenkeller" (1919 – 1955)
Am 1. Juli 1919 brach eine neue, lange Ära an: August Heinrich Küpper meldete den Schankbetrieb in der damaligen Provinzialstraße 1 an. Er erhielt die Erlaubnis für eine „unbeschränkte Schankwirtschaft mit Gartenwirtschaft“. Sagenhafte 36 Jahre lang, bis 1955, betrieb Küpper die Gaststätte. Offiziell hieß sie „Zum Felsenkeller“, im Volksmund war sie bei jedermann aber schlicht als „Küppers“ bekannt.
Die unruhigen Jahre (1955 – 1977)
Nach Küppers Rückzug folgten unruhigere Jahrzehnte mit zahlreichen Pächterwechseln. Auf Eduard Kasten (1955) folgte Heinz Motschull (1956) und schließlich Felix Klaphecke (1958). Als August Küpper 1959 im stolzen Alter von 83 Jahren verstarb, erbte seine Tochter Emilie Bergmann-Küpper das Gebäude.
1963 übernahmen Karl-Heinz Becker und seine Frau Gisela den Felsenkeller für die nächsten sieben Jahre. Ende der 60er Jahre, nach dem Tod von Emilie Bergmann-Küpper, wurde das Haus an die Phoenix-Brauerei Essen verkauft, die es aufwendig umbaute und renovierte. Doch trotz Wiedereröffnungen unter neuen Pächtern wie Christa Schneider ab 1972 und später Marion Pietrzak, wollte der ganz große Erfolg nicht mehr zurückkehren. Am 6. Dezember 1977 schloss der Felsenkeller aufgrund einer amtlichen Verfügung vorerst seine Türen.
Die Geburt einer Legende: Das La CAVE (1978 – 1981)
Am 11. Februar 1978 erwachte das Gebäude zu völlig neuem Leben. Aus der Traditionskneipe Felsenkeller wurde der Jazz Club „La CAVE“. Der erst 25-jährige Fotograf und Jazz-Liebhaber Klaus Vogel hatte eine so verrückte wie geniale Vision. Er nutzte den Grundriss des Lokals – ein echtes „schmales Handtuch“ – und verwandelte es in die exakte Kopie eines Bergwerkstollens.
Die Zeitschrift „Deutsche Gaststätte“ schrieb im September 1978 begeistert: "Dicke, schräg nach oben eingerammte Stützbalken (Stempel) und ebenso starke Deckenbalken [...] als oberer Abschluss, mit wenigen, durch Schutzgitter gesicherten Leuchten und natürlich auch Grubenlampen [...]. Auch ein echter Kohlenwagen fehlt nicht."
Das Konzept schlug voll ein. Keine klassische Kneipe, keine Diskothek – sondern ein "Live Music Club" für Freunde von Jazz, Skiffle, Blues und Swing. Neben Stern-Bier genossen die bis zu 120 Gäste Spezialitäten wie „La Flute“ (ein überbackenes Kaviarbrot), französische Zwiebelsuppe oder Camembert-Kroketten. Namhafte Bands wie das George Maycock-Trio oder die Down Town Jazz-Band heizten dem Publikum regelmäßig ein.
Heimliche Discos und die wilden 80er & 90er (1981 – 1994)
Im Sommer 1981 übernahm Wolfgang Zinn das CAVE und brachte gleich neuen Wirbel in den Stadtteil. Bei einer Kontrolle im November 1981 stellte das Ordnungsamt fest, dass „im Hinterzimmer eine Diskothek betrieben wird“. Prompt drohten Strafen und der Entzug der Schankerlaubnis wegen der "unerlaubten Betriebsart". Zinn musste die Musikanlage und die bunten Spotlights zähneknirschend wieder abmontieren.
Nach einem kurzen Intermezzo unter dem Namen "SPOS" bis 1987 entwickelte sich das La CAVE in den 70er bis in die 90er Jahre immer wieder zum absoluten Hot Spot im Essener Süden. Viele, die heute zur Generation X zählen, haben hier unvergessliche Nächte verbracht. Längst zur Legende geworden, musste das CAVE 1994 jedoch schließen und wurde verkauft.
Dornröschenschlaf und Wiedergeburt (1994 – Heute)
Die folgenden Jahre waren ruhig. Von 2003 an zwar wieder als Restaurant unter dem Namen "La Cave" geführt, hatte das Konzept jener Jahre jedoch nichts mehr mit der Energie der "guten alten Tage" gemein.
Das änderte sich am Samstag, den 1. Oktober 2011. Unter dem heutigen Besitzer Oliver Böhnke erwachte das alte La CAVE aus seinem Dornröschenschlaf. Das Gebäude wurde modernisiert und das Konzept auf die heutige Zeit angepasst: Als Kneipe und Eventlocation ist das La CAVE heute weit über die Grenzen von Essen hinaus bekannt und beliebt.
Doch bei allen Neuerungen ist der wichtigste Kern erhalten geblieben: Das La CAVE ist noch immer ein familiärer Begegnungspunkt für Jung und Alt. Wenn auf unseren Partys der Opa mit seiner kleinen Enkelin tanzt, ein Heiratsantrag gemacht wird oder auch toller Geburtstag gefeiert wird, all das sind jene besonderen Momente, die das CAVE zu dem machen, was es ist. Ein Ort mit Seele, der Erinnerungen schafft.
Die nächste Party ist deine!
Egal ob Geburtstag, Hochzeit oder Jubiläum – schreib deine eigene Geschichte im La CAVE.
Party Events ansehenBusiness Sessions
Teambuilding oder Weihnachtsfeier? Wir haben das perfekte Konzept für dein Unternehmen.
Business Angebote